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Stillen - Geborgenheit für Mutter und Kind

Christel Opitz Mein Baby Guide sprach mit Christel Opitz-Lüders,
1. Vorsitzende La Leche Liga Deutschland e.V.

Wie lange sollte eine Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind dauern?

La Leche Liga empfiehlt volles Stillen (ohne Gabe von z. B. Tee oder Zusatznahrung), bis das Kind um die Mitte des ersten Lebensjahres bereit für feste Kost ist. Das Stillen soll idealerweise fortgeführt werden, bis das Kind dem Stillen entwachsen ist. WHO und UNICEF haben eine weltweit gültige Empfehlung herausgegeben, wonach ausschließliches Stillen in den ersten 6 Monaten befürwortet wird. Danach wird bei geeigneter Beikost das Stillen bis über den zweiten Geburtstag hinaus empfohlen.

Warum ist Stillen so wichtig?Stillende Mama

Muttermilch ist die einzige von der Natur vorgesehene Nahrung für Menschenkinder. Sie ist optimal auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt, sie enthält alles, was ein gesundes und voll ausgetragenes Babys für die Entwicklung braucht. Darüber hinaus erhält das Baby den so wichtigen Körperkontakt. Heute weiß man über die Bedeutung des frühen Bondings zwischen Mutter und Kind, was durch das Stillen sehr gefördert wird. Das Kind erhält nicht nur Nahrung, sondern auch Wärme, Nähe und Liebe.

Wie kann man schon im Krankenhaus die Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind fördern?

Gleich nach der Entbindung sollte die Mutter das Kind zu sich auf den Bauch bekommen, das Kind sollte nicht erst gewogen und gewaschen werden. Diese erste Zeit nach der Geburt und die Möglichkeit des ersten Anlegens helfen Mutter und Kind, eine gute Stillbeziehung aufzubauen. Rooming in (auch in der Nacht) sollte nicht nur angeboten, sondern auch vom Personal unterstützt werden. Erfahrene Hebammen oder Stillberaterinnen sollten der Mutter bei den ersten Anlegeversuchen behilflich sein.

Wann sollte das erste Anlegen erfolgen?

Nach Möglichkeit sollte das erste Anlegen in der ersten Stunde nach der Geburt erfolgen.

Wie lange kann es dauern, ehe nach der Entbindung die Milch richtig fließt?

In den ersten Tagen erhält das Neugeborene das wertvolle Kolostrum, das nur in sehr kleinen Mengen fließt, wobei der kleine kindliche Magen auch keine größeren Mengen aufnehmen kann. Nach wenigen Tagen hat die Mutter einen Milcheinschuss; etwa ab dem 3. – 5. Tag fließt die Milch dann immer reichlicher.

Was kann man tun, um die Milchbildung zu unterstützen?

Frühes und häufiges Anlegen sind die besten Mittel, um die Milch reichlich zum Fließen zu bringen. Anfangs sollten auch immer beide Seiten dem Kind angeboten werden, um so die Milchbildung beider Brüste entsprechend anzuregen.

Welche Tipps können Sie zum richtigen Anlegen geben, damit Probleme und Schmerzen vermieden werden können?

Eine korrekte Stillhaltung ist der größte Garant dafür, dass Probleme und Schmerzen vermieden werden. Wichtig ist, dass das Kind nicht nur die Brustwarze, sondern auch große Teile des Warzenhofes in den Mund nimmt. Wechselnde Stillpositionen können helfen, dass die Brustwarze nicht einseitig überstrapaziert wird. Am besten wird schon vor der Geburt der Kontakt zu einer erfahrenen Stillberaterin und einer Stillgruppe gesucht, damit die Mutter sich schon einmal alles zeigen lassen kann und gut vorbereitet ist.

Was raten Sie Müttern, die beim Stillen Probleme haben?Trinkendes Baby

Nehmen Sie Kontakt auf zu einer Stillberaterin oder Ihrer Hebamme. Das kann bei La Leche Liga-Stillberaterinnen auch telefonisch geschehen. Lesen Sie im „Handbuch für die stillende Mutter“ (herausgegeben von La Leche Liga) nach, was bei dem entsprechenden Problem zu tun ist. Besuchen Sie eine Stillgruppe, um dort den Kontakt zu anderen stillenden Müttern zu haben. Gerade der gegenseitige Austausch kann helfen, Probleme zu vermeiden oder zu lösen.

Wie lange und wie oft soll ein Baby gestillt werden?

Es gibt keine generelle Regel, wann, wie oft und wie lange ein Baby gestillt werden sollte. 10 – 14 Stillmahlzeiten in 24 Stunden können durchaus normal sein. Die Dauer der Stillmahlzeit unterscheidet sich von Kind zu Kind. Während das eine ein Genießer ist und an beiden Seiten jeweils 20 Minuten oder länger trinkt, kann das andere Baby nach 5 Minuten an einer Seite satt und zufrieden sein. Achten Sie auf Ihr Kind, nicht auf die Uhr oder die Waage.

Gibt es erkennbare Unterschiede in der Entwicklung zwischen gestillten und nicht gestillten Babys?

Die in der Muttermilch enthaltenen Stoffe fördern das gesunde Wachstum des Kindes, auch die für die Gehirnentwicklung wichtigen Stoffe sind in der Muttermilch enthalten. Durch die von der Mutter über die Muttermilch gelieferten Abwehrstoffe erkranken gestillte Kinder deutlich seltener an Darmerkrankungen oder auch Mittelohrentzündungen; außerdem weiß man mittlerweile, dass die präventive Gesundheitsvorsorge durch das Stillen über das Säuglingsalter hinaus Wirkungen auf den Gesundheitszustand des Kindes hat, z.B. in Bezug auf Diabetes und Übergewicht.

Was bedeutet Stillen fürs Baby außer Nahrungsaufnahme?

Liebe, Wärme, Nähe, Körperkontakt – kurzum: der sichere Hafen für das Kind!

Woran erkennt man, dass das Stillen allein nicht mehr reicht und das Baby zusätzliche Nährstoffe benötigt?

Wenn das ca. 6 Monate alte Kind ein verstärktes Verlangen danach hat, gestillt zu werden, und zwar nicht auf Grund einer Erkrankung, des Zahnens oder eines Wachstumsschubes.

Wie gelingt das Abstillen?

Langsam, allmählich mit viel Geduld und Liebe.

Was kann man tun, wenn das Baby keine Muttermilch mehr trinkt, in der Brust aber noch Milch gebildet wird?

Die Milchbildung reduziert sich allmählich, der Körper der Frau resorbiert die bereits gebildete Milch wieder. Ein kurzfristiger „Überschuss“, der zu Beschwerden bei der Mutter führt, kann vorsichtig von Hand ausgestrichen werden, wobei dieses Entleeren der Brust nicht bis zum letzten Tropfen erfolgen sollte, sondern nur so weit, bis die Mutter kein Spannungsgefühl mehr in den Brüsten hat. Die so gewonnene Muttermilch kann dem Kind bedenkenlos unter die nächste Breimahlzeit gerührt werden.

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