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Natürlich hoffen alle werdenden Eltern, dass Ihr Kind
gesund und zum errechneten Geburtstermin auf die Welt kommt. Doch
trotz hochmoderner Medizin und besserer Vorsorge in der
Schwangerschaft sind etwa 10 Prozent aller Babys
Frühgeburten.
Mein Baby Guide sprach mit Univ.-Prof. Dr.
med. Udo B. Hoyme, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und
Geburtshilfe des HELIOS Klinikum Erfurt und Editorial Board –
Mitglied des European Journal of Obstetrics & Gynecology and
Reproductive Biology, über zu früh geborene Babys und
darüber, welche Maßnahmen getroffen werden können,
um ihr Überleben zu sichern.
Was sollte man in der Schwangerschaft beachten, um
mögliche Risiken für eine Frühgeburt zu
verringern?
Die Empfehlungen für die ärztlichen
Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft sind wohldurchdacht
und zielen insbesondere auch auf die Vermeidung einer
Frühgeburt. Es kommt also für jede Schwangere darauf an,
das Angebot so wahrzunehmen, dass einerseits der betreuende
Frauenarzt Warnzeichen möglichst frühzeitig erkennen
kann, andererseits aber auch von der Schwangeren die fundierten
Ratschläge und Hilfsangebote zeitgerecht in die Praxis
umgesetzt werden können. Dazu gehört auch die 2 x
wöchentliche pH-Selbstmessung in der Scheide ab Ende der 12.
Schwangerschaftswoche.
Welche Auslöser für Frühgeburten gibt
es?
Infektionen der Scheide und/oder des Muttermundes sind die
wesentliche Ursache, weil bei diesen Entzündungen
wehenauslösende Substanzen freigesetzt werden. Diese so
genannten Prostaglandine führen nach Stunden oder Tagen in
jeder Phase der Schwangerschaft unweigerlich und nahezu
unaufhaltsam zum Geburtsbeginn. Es kommt folglich darauf an, diese
Infektionen frühzeitig zu erkennen, um durch angemessene
Behandlung die als schwerwiegende Komplikation zu betrachtende
Fehl- oder Frühgeburt zu verhindern.
Welche Maßnahmen können getroffen werden,
wenn eine Frühgeburt droht?
Bei drohender Frühgeburt sind je nach Ursache eine
antibiotische Behandlung, die Wehenhemmung, der
Muttermundverschluss, Bettruhe und die Lungenreifung beim noch
ungeborenen Kind angezeigt, um nur einige der wesentlichen
Maßnahmen zu nennen.
Ab welcher SSW können zu
früh geborene Kinder heute überleben?
Eine eindeutige Grenze ist nicht mit Sicherheit zu ziehen, da
die Reifungsprozesse beim Ungeborenen unterschiedlich schnell
verlaufen können, so dass auch die häufig als Grenze
genannte 24./25. Schwangerschaftswoche bzw. ein Geburtsgewicht von
500 g gelegentlich unterschritten werden. Neben der Frage des
Überlebens steht aber ganz wesentlich die eines Lebensbeginns
frei von Schädigungen oder Behinderungen. Trotz allen
Fortschritts ist gerade bei frühen Frühgeborenen vor Ende
der 32. Schwangerschaftswoche eine durch die Unreife bedingte
Beeinträchtigung nicht immer zu vermeiden. Das kleinste aus
unserem Perinatalzentrum hervorgegangene ungeschädigte Kind
wog übrigens 350 g bei der Geburt.
Wann spricht man von Frühgeburt?
Der Definition nach ist jedes vor Ende der 37.
Schwangerschaftswoche geborene Kind eine Frühgeburt.
Warum ist die Frühgeborenenrate in den letzten
Jahren weiter gestiegen?
In einigen Regionen und in einigen Altersgruppen hat die
Frühgeburtlichkeit in der Tat zugenommen, wobei über die
Ursachen eine sichere Aussage kaum möglich ist. In Betracht
kommen die Zunahme von Mehrlingsschwangerschaften aufgrund von
Sterilitätstherapie, ein Anstieg des Durchschnittsalters der
Schwangeren sowie vermehrt vorzeitige Entbindungen aufgrund von
suspekten Befunden, die bei der immer mehr verfeinerten
Pränataldiagnostik aufgefallen sind.
Mit welchen Problemen haben „Frühchen“
zu kämpfen?
Die wesentliche Gefährdung des frühgeborenen Kindes
rührt aus der Unreife von Lunge und Gehirn her, also aus
Problemen, die zur langzeitigen Beatmung zwingen und sich
gehäuft in Form von Gehirneinblutungen mit schwerwiegenden
Folgezuständen äußern können.
Können Frühgeborene gestillt werden?
Wenn bei einem Frühgeborenen der Saugreflex bereits
entwickelt ist und das Neugeborene nicht zu schnell erschöpft
ist, so ist Stillen möglich (etwa ab 30. SSW). Ansonsten wird
versucht, abgepumpte Muttermilch zuzuführen. Unabhängig
von der Ernährung ist der direkte Kontakt zwischen Mutter und
Kind extrem wichtig, so dass das Kind möglichst oft und lange
auf der Brust der Mutter (oder auch des Vaters) gelagert werden
sollte.
Gibt es Selbsthilfegruppen, in denen Eltern von
frühgeborenen Kindern Unterstützung erhalten
können?
Eltern frühgeborener Kinder haben sich in
Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen, die dem Erfahrungsaustausch
und der gegenseitigen Hilfe dienen, darüber hinaus auch der
Betreuung von Frauen, die sich unmittelbar nach einer ja meist
überraschend aufgetretenen Frühgeburt noch im Wochenbett
befinden und Hilfe benötigen, die über das hinausgeht,
was ein Perinatalzentrum leisten kann. In Erfurt z.B. nennt sich
der Ansprechpartner Förderverein für Früh- und
Risikogeborene „Ronja“ e.V.
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